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Aquarellmalerei ist schon schwierig genug, ohne sich unnötige Hürden in den Weg zu legen. Ich habe die Malfähigkeiten vieler Schüler durch diese grundlegenden Tipps deutlich verbessert.

Gute Materialien sind unerlässlich.

Beim Malen mit Aquarellfarben sollten Sie es sich bequem machen, ergonomisch arbeiten und die bestmögliche Ausrüstung verwenden. Betrachtet man ein schönes Gemälde, verliert man sich leicht in dessen emotionaler und ästhetischer Wirkung. Man vergisst dabei leicht, dass für das fertige Ergebnis die korrekte Verwendung der richtigen Materialien und Werkzeuge unerlässlich ist. Unsere erste Lektion lautet: Es ist unmöglich, eine Stimmung oder überhaupt etwas zu vermitteln, wenn die Materialien nicht ausreichen. Die Verwendung ungeeigneter Materialien beeinträchtigt die Art und Weise, wie Sie Ihre Botschaft vermitteln möchten. Letztendlich sind die Pinselstriche auf dem Papier die visuelle Sprache, mit der Sie dem Betrachter Ihre Geschichte erzählen. Wenn Sie nicht die richtigen Striche setzen können, werden Sie immer wieder mit der Bildsprache kämpfen, anstatt die Geschichte wirkungsvoll zu erzählen.

Lerne die Grundlagen und vermeide schlechte Angewohnheiten

Auf meinen Reisen als Kursleiter bin ich immer wieder überrascht, wie viele Schüler schon seit Jahren mit Aquarellfarben malen und es dennoch geschafft haben, einige der grundlegendsten Fertigkeiten für gelungene Aquarelle zu vermeiden. Es ist, als würde man versuchen, Auto zu fahren, ohne schalten zu können – und sich deshalb damit begnügen, überall im ersten Gang zu fahren! Ich erinnere mich an eine Schülerin, die ihre Aquarellfarben mit erstaunlicher Geschicklichkeit handhabte, obwohl sie ihren Pinsel wie ein Messer hielt. Viele ehemalige Ölmaler machen das übrigens. Sie praktizierte das schon seit etwa 30 Jahren! Ich erinnere mich auch an einen anderen Schüler, der einen Teller als Palette zum Mischen der Farben benutzte – was durchaus akzeptabel gewesen wäre, wenn der Teller weiß statt grün gewesen wäre! Kein Wunder, dass er nicht verstand, warum die Bilder zu warm wirkten. Es ist leicht, mit Aquarellfarben Spaß zu haben und zu experimentieren. Viele sind ihrem Zauber erlegen, nur um dann schmerzlich zu erfahren, dass traditionelle Malerei nicht einfach ist. In der traditionellen Kunst gibt es keine Abkürzungen. Ich weiß, für einige von Ihnen ist das alles selbstverständlich, aber ich wünschte, mir hätte jemand zu Beginn meiner Laufbahn einige Grundregeln beigebracht. Das hätte mir womöglich viele Jahre voller Kampf und Frustration erspart. Denk daran: Die Fesseln schlechter Gewohnheiten sind anfangs zu schwach, um sie zu spüren, bis sie zu stark sind, um sie zu sprengen.

Staffelei

Ihre Staffelei sollte eine ebene, in verschiedenen Winkeln verstellbare Fläche bieten, ähnlich wie ein Zeichentisch. Sie sollte stabil, aber dennoch leicht zu bewegen sein. Wenn Sie lieber im Stehen arbeiten, sollte der Tisch die richtige Höhe haben. Ich persönlich sitze am liebsten und benutze dafür einen bequemen Zeichenstuhl mit Rollen. Nur bei großflächigen Farbschichten oder großen Gemälden stehe ich auf.

Papier

Die Wahl des Papiers liegt ganz bei Ihnen. Der Malstil bestimmt die Papiersorte. Manche Künstler bevorzugen eine raue Oberfläche, die sich besser für impressionistische, lockere Malweisen eignet. Andere verwenden glattes Papier für detailreiche Arbeiten. Ich selbst verwende meist mittelstrukturiertes Papier (kaltgepresst). Dadurch bin ich flexibel und kann sowohl großflächige Farbaufträge als auch feine Details umsetzen. Für Arbeiten im Freien klebe ich das Papier entweder mit Kreppband auf meinen Malgrund oder verwende einen bereits gespannten Papierblock.

Bevor ich großformatige Bilder male, spanne ich das Papier, indem ich es einweiche und anschließend mit Klebeband fixiere. Die Unterlage muss grundiert oder anderweitig versiegelt sein, um Fleckenbildung zu verhindern. Kaufen Sie eine leichte, gut handhabbare Unterlage und halten Sie Papier in verschiedenen Größen bereit.

Bleistifte

Ihr Bleistift sollte eine mittlere Härte haben (z. B. 2B oder 4B), da zu weiche Bleistifte leicht verschmieren und unsaubere Zeichnungen erzeugen, besonders auf rauem Papier. Harte Bleistifte hingegen dringen tief in die Oberfläche ein und lassen sich nicht radieren. Ich verwende einen Druckbleistift, weil die Spitze im Gegensatz zu Holzbleistiften, die beim Anspitzen kürzer werden, ihre Länge behält. Ein sauber gespitzter Bleistift ist unerlässlich. Mit einem kurzen, stumpfen Bleistift lässt sich schlichtweg keine gute Zeichnung anfertigen. Radieren Sie so wenig wie möglich oder, noch besser, gar nicht. Ich lasse Bleistiftlinien gerne als Teil des fertigen Bildes. Das ist definitiv besser als verschmierte oder ausgefranste Radierstreifen. Falls Sie unbedingt radieren müssen, verwenden Sie bitte den weichsten Radiergummi, den Sie finden können – am besten eignet sich der Knetradiergummi für Kohlezeichnungen.

Pinsel

Wie die Reifen Ihres Autos sind Pinsel wahrscheinlich der wichtigste Bestandteil Ihrer Malausrüstung. Selbst das beste und exklusivste Auto fährt sich nicht gut mit abgefahrenen Reifen. Genauso wenig werden Sie ein anständiges Gemälde schaffen, wenn Sie Pinsel von zweifelhafter Qualität verwenden.

Zunächst einmal müssen Ihre Pinsel, genau wie Ihre Stifte, perfekt geformte Spitzen haben. Selbst die größten Pinsel müssen spitz sein. Wie wollen Sie schließlich quadratische Formen ausschneiden, wenn Ihr Pinsel eine runde Spitze hat? Zwei gute Pinsel sind besser als zwanzig unbrauchbare. Sie müssen nicht die teuersten im Laden sein – es gibt heutzutage einige hervorragende Nylonpinsel auf dem Markt. Ich persönlich finde Zobelhaarpinsel zu weich, und sie verlieren schnell ihre Spitze.

Halten Sie eine gute Auswahl an Pinseln bereit, aber entsorgen Sie bitte die winzigen Pinsel unter Größe 8, da sie kaum Farbe aufnehmen und daher nahezu nutzlos sind. Passen Sie die Pinselgröße immer der Größe der zu malenden Form an. Verwenden Sie einen großen Pinsel für große, einen mittleren für mittlere und einen kleinen für kleine Formen. Es gibt nur eine richtige Art, einen Aquarellpinsel zu halten: locker und so weit oben am Stiel wie möglich. Umfassen Sie den Pinsel niemals krampfhaft nahe der Spitze. Nur bei sehr feinen Details kann es sinnvoll sein, den Pinsel etwas näher an der Spitze zu halten. Malen Sie immer, ohne das Papier mit der Hand zu berühren. Der Pinsel sollte frei über das Papier gleiten, ohne dabei an Bewegungsfreiheit und Geschicklichkeit einzubüßen. Tupfen oder verkleben Sie die Farbe nicht! Arbeiten Sie mit sicheren, sparsamen Pinselstrichen.

Studioausrüstung und Beleuchtungsaufbau

Idealerweise sollte jeder Künstler ein Atelier haben. Das ist jedoch nicht immer möglich, und wer diesen Luxus nicht hat, sollte sich daran erinnern, dass viele wunderbare Gemälde am Küchentisch entstanden sind! Das ist das Schöne an der Aquarellmalerei: Sie lässt sich schnell auf- und abbauen, ist relativ günstig und mobil. Wenn Sie in der Küche malen, achten Sie zumindest auf eine ergonomische Anordnung. Ergonomie bedeutet Effizienz und Bewegungsfreiheit. Stellen Sie Ihre Palette beispielsweise nicht links auf, wenn Sie Rechtshänder sind, oder umgekehrt. Es ist schwierig, den Blick für das Bild zu behalten, wenn der Arm über das Gemälde zur Palette oder zum Wassereimer greift. Platzieren Sie den Wasserbehälter stattdessen neben der Palette, auf der Seite, die Ihrer Malhand am nächsten ist. Ich habe ein eigens dafür eingerichtetes Atelier, das ich selbst entworfen habe, und es hat mir sehr gute Dienste geleistet. Ein großes Oberlicht lenkt das Licht von links auf meine Arbeit. Mit einem Rollo reguliere ich die Helligkeit. Diese Erkenntnis habe ich auf die harte Tour gewonnen. Vor vielen Jahren hatte ich Schwierigkeiten, weil das Licht von rechts einfiel und meine Hand einen Schatten auf mein Bild warf. Das Licht spiegelte sich auch in meiner Palette, sodass ich nicht genau sehen konnte, was ich mischte. Beim Malen sollten Sie genügend Platz haben, um zurückzutreten und Ihr Werk aus der Ferne zu betrachten. Ein großer Spiegel ist ebenfalls hilfreich, um Fehler zu erkennen. Die Betrachtung Ihrer Bilder im Spiegel ist besonders nützlich beim Malen symmetrischer Objekte wie Gesichter oder Vasen und Schalen in Stillleben – Fehler werden sofort sichtbar, wenn Sie das Bild spiegelverkehrt betrachten. Wenn Sie nachts malen, sollten Sie unbedingt Tageslichtlampen verwenden. Normale Glühbirnen haben einen falschen Farbstich und täuschen das Auge, während Tageslichtlampen das natürliche Licht simulieren und so für natürlichere Farben sorgen.

Ihr Atelier sollte ausreichend sicheren Stauraum für Papier und Skizzen bieten. Nichts ist ärgerlicher als Farbspritzer auf neuen Blättern oder, noch schlimmer, auf einem frisch fertiggestellten Gemälde. Vor allem aber braucht Ihr Atelier so viel Arbeitsfläche wie möglich. Ich selbst nutze immer den Boden und alle Tische für meine Referenzmaterialien, Fotos, Bücher und all die anderen Dinge, die sich so ansammeln. Dieses Material muss leicht zugänglich sein.

Letztendlich muss das Atelier gemütlich sein und zur Persönlichkeit des Künstlers passen. Auf meinen Malreisen habe ich viele Erinnerungsstücke gesammelt, die ich mir immer wieder gerne ansehe und in Erinnerungen schwelge. Mein ganzer Stolz ist zum Beispiel eine Uhr in Form von Elvis Presley. Mein Atelier ist außerdem recht modern und hat wenig mit den altmodischen, rustikalen Ateliers vergangener Zeiten gemein. Ich höre beim Malen gerne Musik, daher habe ich einen unerschöpflichen Vorrat an Mozart, Otis Redding und natürlich Elvis!

Pigment

Ich betrachte Aquarellfarben nie als Farbe im herkömmlichen Sinne. Schon der Name selbst beschreibt sie als “Aquarellfarbe”, die aus zwei getrennten Bestandteilen besteht – Wasser und Pigment.

Ich finde Aquarellfarben in Tuben am besten, weil man sie großzügig verwenden kann und sie die Pinsel schonen. Näpfchen sind hingegen ideal für unterwegs und für kleine Skizzen, da sie nicht auslaufen. Egal, wofür du dich entscheidest, spare nicht am falschen Ende – gute Qualität zahlt sich aus. Billige Farben verblassen nicht nur, sondern lassen sich auch schlecht mischen und verlaufen schlecht auf dem Papier, sodass du die wunderbare Transparenz von Aquarellfarben verpasst.

Palette

Als ich vor vielen Jahren mit dem Malen anfing, benutzte ich einen weißen Teller als Malunterlage. Eines Tages fuhr ich zum Malen hinaus, merkte, dass ich meine Palette vergessen hatte und musste notgedrungen eine Radkappe von meinem Auto verwenden! Heute verwende ich ausschließlich für die Malerei im Freien eine eigene Palette. Wenn Sie sich eine Palette kaufen möchten, werden Sie feststellen, dass die Auswahl riesig ist. Viele haben jedoch zu viele Farbnäpfchen und zu wenig Platz zum Mischen. Wählen Sie daher eine Palette mit ausreichend Platz zum Mischen, damit Sie während des Malens auf Ihre Farbmischungen zurückgreifen können und diese nicht ständig neu anrühren müssen.

Wasserbehälter

Beim Malen ist es unerlässlich, die Pinsel stets gründlich auszuwaschen, um verschiedene Farben mischen zu können. Im Atelier (und idealerweise auch im Freien) benötigen Sie einen großen Wasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von mindestens 2,5 Litern. Um stets sauberes Wasser zur Verfügung zu haben, empfiehlt es sich, zwei Behälter zu verwenden.

Es gibt noch unzählige andere Dinge, die wir beim Malen verwenden, wie Lappen und Papiertücher, Rasierklingen und Maskierflüssigkeit. Wenn du zum Abkratzen eine alte Kreditkarte oder für Spezialeffekte den Gartenschlauch benutzen musst, nur zu! Hauptsache, du fühlst dich wohl und tust es, wenn dir das Malen mit Aquarellfarben leichter fällt!